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5 Fragen an Kiri Johansson

by Aileen
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Aufgrund der aktuellen Covid-19-Pandemie musste die Leipziger Buchmesse in diesem Jahr leider ausfallen. Ich war zwar sehr enttäuscht, als ich davon erfahren habe, aber kurz bevor es losgegangen wäre, doch etwas froh darüber. Am 12. März, dem Tag, an dem die Messe begonnen hätte, gab es in Deutschland bereits so viele Fälle, dass ich nicht mit einem guten Gewissen hätte hinfahren können.

Doch was macht man, wenn man Urlaub hat, die Messe abgesagt wurde und man aufgrund einer Pandemie kaum irgendwohin kann? Ganz genau, lesen! Anja von „Bücher in meiner Hand“ und ich haben uns dem Roman „Islandsommer“ von Kiri Johansson gewidmet, den ich übrigens nur empfehlen kann! Meine Rezension folgt in Kürze.

Bis dahin habt ihr aber schonmal die Möglichkeit, die Autorin Kiri Johansson, auch bekannt als Jeanine Krock, besser kennenzulernen, denn sie hat sich bereiterklärt, uns fünf Fragen zu beantworten! Erfahrt mehr darüber, wie sie zum Schreiben gekommen ist, was sie an Island so besonders findet und den am 09. Juni 2020 erscheinenden Roman „Das Haus am Ende des Fjords“.



Interview mit Kiri Johansson

Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?
Der Grundstein dazu wurde vermutlich in frühester Kindheit gelegt. Als den Vorleserinnen und Vorlesern in meiner Familie allmählich die Geschichten ausgingen habe ich begonnen, mir für meine Lieblingsheldinnen neue Abenteuer auszudenken. Bald war ich die Erzählerin und andere hörten zu oder wir inszenierten gemeinsam unsere eigenen Theaterstücke. Aufgeschrieben habe ich diese Fantasien leider nicht und später war ich mehr an historischen Kostümen und den Geschichten dahinter interessiert. Nur hin und wieder schrieb ich einen Artikel für eine Fachzeitschrift oder einen Konzertbericht.
Später hatte ich einen Reitunfall, dessen erfreulichste Spätfolge sicherlich war, dass ich mit dem Schreiben begann.

Welchen persönlichen Bezug hast du zu Island?
Der Reitunfall kam nicht von ungefähr und er war auch nicht mein erster. Früher war ich was man ein richtiges Pferdemädchen nennt und ganz vernarrt in Islandpferde. Letzteres bin ich immer noch. Da ich selbst kein eigenes Pferd haben durfte (obwohl ganz bestimmt Platz zwischen den Hühnern und Schafen gewesen wäre, die wir damals auf einer kleinen Hausweide hielten), habe ich mir die pferdelose Zeit damit vertrieben, alles über die Isis und ihr Herkunftsland zu erfahren. Ein besonderes Highlight für mich war die Reise nach Island mit langen Reitausflügen in einer der faszinierendsten Landschaft, die ich jemals kennenlernen durfte.

Zur Vorbereitung meiner Romane Islandsommer und Das Haus am Ende des Fjords bin ich dann wieder dorthin gereist. Es hatte sich viel verändert seit meinem ersten Aufenthalt, bei dem wir nur wenigen Touristen begegnet sind, aber ich habe mich erneut in das Land und die Leute verliebt. Ich glaube, das merkt man meiner Geschichte auch ein wenig an.

Wieso gerade Island und nicht Frankreich, Italien oder Spanien?
Nachdem ich einige Jahre in unterschiedlichen Ländern gearbeitet habe, liebe ich es, die Figuren in meinen Romanen kreuz und quer durch Europa zu schicken. Weshalb die Geschichte von Merit und Kristján ausgerechnet in Island spielen musste, kann ich allerdings nicht mit Sicherheit sagen. Ich weiß aber noch, wie ich während eines Hubschrauberflugs dachte, dass mich der Anblick der unglaublich vielseitigen Formen und Farben dieser oft nicht sehr menschenfreundlichen Landschaft ganz sicher in eine tiefe Krise gestürzt hätte, wäre ich Malerin und keine Schriftstellerin. Meiner Heldin allerdings habe ich die Chance geben wollen, in Islands Natur Inspiration für ihre eigenen künstlerischen Ausdrucksformen zu finden. Auf gewisse Weise ebenfalls verantwortlich dafür, dass diese Story unbedingt in Island erzählt werden musste, ist der Lichtkünstler Ólafur Elíasson, dessen Arbeiten mich seit Jahren begeistern.

Weil es online so ausführlich diskutiert wurde, müssen wir es nun endlich wissen: Sind die Blumen auf dem Cover Lupinen?
Diese Diskussion habe ich gar nicht mitbekommen. Ja, es sind Lupinen. In vielen Gegenden Islands wurde der Boden durch menschliche Aktivitäten oder Überweidung verletzt und wenn beispielsweise beim Fahren durch die unberührte Natur Moos- oder Grasflächen verletzt werden, bieten die Spuren dem Wind Gelegenheit die Böden vollkommen abzutragen. Aus diesen Gründen hat man sich entschieden, die anspruchslose Alaska Lupine anzusiedeln, und die sehr hübsche Blume fühlt sich nun so wohl, dass sie die einheimischen, sehr viel zarteren Pflanzen verdrängt und regelrecht zur Plage geworden ist. Leider ist diese Sorte weder als Eiweißlieferant geeignet, noch schmeckt sie Schafen oder Pferden. Doch beim Anblick leuchtender Lupinenfelder kann man solche Probleme schnell vergessen.

Am 09. Juni erscheint dein Roman »Das Haus am Ende des Fjords«. Kannst du uns erzählen, worum es geht und warum ihn unbedingt jeder lesen muss?
In Das Haus am Ende des Fjords erzähle ich die Geschichte der jungen Dänin Isving, die sich mit einem B&B in den Westfjorden Islands ihre Sehnsucht nach einem selbstbestimmten Leben erfüllt hat, bis eine beunruhigende Nachricht alles Erreichte infrage stellt. Ihre Freundin, die unter der winterlichen Dunkelheit im hohen Norden leidet, erklärt das gemeinsame Projekt für gescheitert und reist ab. Während Isving darum kämpft, ihren Traum weiterzuleben, findet sie neue Weggefährt*innen.

Der weltgewandte Thór ist in die Westfjorde gereist, um in der unberührten Landschaft und rauen Natur seiner Heimat neue musikalische Inspiration zu finden. Die schüchterne Isving, die nichts von seinem internationalen Ruhm ahnt, erobert mit ihrem Gefühl für Melodien und Texte sein Herz. Während sie sich noch fragt, ob die zarten Bande stark genug für eine gemeinsame Zukunft sind, greift das Schicksal ein zweites Mal ein …

Wenn du dein Ziel erreicht hast, warte das Schicksal nicht mit einer Medaille, sondern mit neuen Herausforderungen auf dich.

Was geschieht nach dem Happy End? Diese Frage hat mich schon lange bewegt und wurde zum Ausgangspunkt meiner Überlegungen. Isving hat sich mit der Bed & Breakfast-Pension einen großen Wunsch erfüllt und von ihrer Vergangenheit befreit. Müsste sie jetzt nicht eigentlich einfach nur glücklich sein? Doch das Leben geht ja weiter und wir wissen aus eigener Erfahrung, dass es ein Dauerglück nicht geben kann, so sehr wir uns das auch manchmal wünschen mögen.

Isvings Ziel ist es, sich mit der Erkrankung zu arrangieren und ihr B&B weiterzuführen. Lernen muss sie jedoch, ihrer Kreativität und inneren Kraft zu vertrauen. Thór ist in den einsamen winterlichen Norden seiner Heimat gereist, weil er hofft, dort eine musikalische Schreibblockade zu überwinden. Was ihm nach Jahren des ungebundenen Lebens aber tatsächlich fehlt, ist ein Zuhause und ein sicherer Ankerplatz im Leben.

Um zu erkennen, was ihnen wirklich wichtig ist, brauchen die meisten Menschen Zeit und deshalb habe ich mich entschieden, meine Protagonisten über ein ganzes Jahr hinweg zu begleiten.

Das Haus am Ende des Fjords ist für mich ein ganz besonderer Roman geworden. Isvings Geschichte hat mich sehr beschäftigt, denn sie teilt ihr Schicksal mit einem Menschen, den ich außerordentlich lieb gewonnen habe. Der Roman entführt die Leser*innen ein weiteres Mal in Islands atemberaubende Landschaft und in die nördlichste Hauptstadt der Welt: Reykjavík. Als Sahnehäubchen treffen wir alte Bekannte wieder. Typisch Island: Man begegnet sich immer zweimal. Mindestens.

Vielen Dank für das Interview und deine Zeit, liebe Kiri!

Falls das Interview euer Interesse geweckt hat, findet ihr hier ein paar weiterführende Links:
Website von Jeanine Krock / Kiri Johansson
Roman „Islandsommer“
Roman „Das Haus am Ende des Fjords“


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1 comment

Anette 22.03.2020 - 20:04

Da möchte man am liebsten doch auch gleich nach Island. Ein sehr schönes Interview.

LG
Anette

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