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Jana Seidel | Der Liliengarten

by Aileen
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unbezahlte Werbung | Rezensionsexemplar

Ich liebe Blumen, aber habe mir über die Jahre angewöhnt, ihnen mehr oder weniger auszuweichen, weil ich gegen so viele allergisch bin. Dabei hätte ich am liebsten immer einen Strauß Blumen auf dem Tisch! Oder, noch besser, lebendige im Garten.
Mein „Garten“ besteht allerdings aus einer Mini-Terrasse, die nicht gerade für Blumen prädestiniert ist. Außerdem sterben Pflanzen bei mir meistens, wenn sie nicht gerade an lange Dürreperioden angepasst sind – und das trifft leider auf fast alle Blumen zu.

Da ist es doch eine gute Lösung, einfach ein Buch zu lesen, in dem Blumen eine große Rolle spielen. So bin ich zumindest gedanklich von einem Meer aus Blumen umgeben.

Meine Bewertung: ★★★★☆


Handlung

Lilly hat ihren geliebten Großvater verloren. Schon als Kind hat sie sich auf dessen alten Gutshaus in Ostholstein sehr wohl gefühlt und genau dieses hat er ihr nun hinterlassen.
Dort findet Lilly das Tagebuch ihrer Großmutter, voller Anekdoten und getrockneter Blumen. Sie möchte herausfinden, was damals passiert ist und versucht, den Familiengeheimnissen auf den Grund zu gehen. Dazu lässt sie den alten Garten ihrer Großmutter wiederaufleben und erfährt dabei mehr, als sie geahnt hätte.


Meine Meinung

Ich fand die Themen im Buch sehr ansprechend. Blumen spielen normalerweise keine Rolle und auch das Thema Familie wird aus einer eher ungewöhnlichen Perspektive betrachtet. Die Hauptfigur Lilly schaut zunächst nahezu als Außenstehende auf ihre Familiengeschichte, nur um dann festzustellen, dass sie viel tiefer darin verwickelt ist, als gedacht. Als Leserin bin ich es eher gewohnt, dass die Hauptfigur von Anfang an Teil des Konflikts ist und genau das war hier anders und hat die Geschichte interessant gemacht.

Auch Isabelle, die Großmutter von Lilly, hat eine Hauptrolle gespielt. Ihre Geschichte hat mich besonders berührt, da ich konstant mit ihr mitgefiebert habe. Als junge Frau hatte sie 1959 noch kaum Rechte und brauchte zum Beispiel die Erlaubnis ihres Vaters bzw. Mannes, um überhaupt einen Führerschein zu machen.

Trotzdem hat sie versucht, das Beste aus ihrer Situation zu machen. Ihr Mann saß dennoch am längeren Hebel und hat sie das auch spüren lassen, wenn es nötig war. Ich habe solche Zustände nie erlebt und fand es daher etwas schockierend, sie so im Detail mitzuerleben; einfach, weil die Situation prinzipiell falsch und ungerecht war. Dabei gab es zu der damaligen Zeit sicher Frauen, denen es schlimmer ergangen ist, als Isabelle in diesem Roman.

Ich hätte mir etwas mehr Unterscheidbarkeit zwischen den Figuren gewünscht. Insbesondere zu Beginn fand ich es manchmal schwer, die Geschichten von Isabelle und Lilly auseinanderzuhalten. Sie waren sich sehr ähnlich und vor allem hatten beide keine besonders speziellen Charakterzüge, an denen man sie hätte unterscheiden können. Beide Frauen sind eigenständig, haben ihren eigenen Kopf, bauen einen Garten auf und haben eine Affäre. Da kann man schon mal durcheinanderkommen, wer nun etwas mit dem Gärtner und wer mit dem Nachbarn hatte.

Im Gegensatz dazu fand ich es toll, wie sich die Wahrnehmung des Großvaters im Laufe des Buchs verändert hat. Während Lilly ihn abgöttisch liebt, hat seine Frau Isabelle eine ganz andere Sichtweise auf ihn. Lillys Mutter Iris steht zwischen den Stühlen, denn sie kennt Teile beider Geschichten und hat zudem selbst ein spezielles Verhältnis zu ihrem Vater. So setzt sich nach und nach das Puzzle für Lilly und damit auch für uns Leser*innen zusammen.

Durch diese Charakterentwicklung wird einem vermittelt, dass eben nicht immer alles schwarz oder weiß ist.
Ich denke, dass es in vielen Familien ähnliche Geschichten gibt. Menschen, die Fehler gemacht haben. Menschen, die versuchen, sie wieder gut zu machen. Menschen, die sich verändern. Und solche, die es eben nicht tun.
Tiefgreifende Missverständnisse und Konflikte sind leider nichts Ungewöhnliches. Genau das hat dieses Buch für mich greifbar gemacht. Es ist eben kein Buch, in dem am Ende alle Muffins essend am Küchentisch sitzen und die Vögel zwitschern hören. Und dennoch hat der Roman kein trauriges oder dramatisches Ende.

Was für mich auch neu war, ist, dass der gesellschaftliche Stand und die Nationalität im Jahr 1959 noch so wichtig war. Ich dachte, das hätte sich schon in den zehn Jahren zuvor etwas gelegt. Deswegen hat mich der Umgang mit den Angestellten und polnischen Nachbarn überrascht und verwundert. Dass die Figuren im Buch verschieden damit umgegangen sind, hat den Roman interessant gemacht.

Jana Seidel schreibt im Buch immer wieder über Blumen, insbesondere Lilien, und ihre Bedeutung. Ich fand es zunächst sehr interessant, muss aber sagen, dass es mir insgesamt etwas zu viel war. Ich konnte mir die Blumen nur teilweise vorstellen und werde sie nirgendwo wiedererkennen, da sich so viele Blumen so ähnlich sehen. Deswegen habe ich das meiste davon leider schon wieder vergessen. Dennoch würde ich gerne einmal Isabelles bzw. Lillys Blumengarten betreten – ich wette, dort könnte man wunderbar ein Buch lesen!


Das Cover

Das Cover trifft leider gar nicht meinen Geschmack. Insbesondere die Farben sehen sehr matt und trist aus. Ich verstehe, warum sie gewählt wurden – das Buch spielt schließlich zu einem großen Teil in einer anderen Zeit – aber dennoch hätte ich mir ein ansprechenderes Cover gewünscht, dass die Leser der heutigen Zeit anspricht.


Fazit

Das Buch hat auf besondere Art und Weise eine sehr verzwickte Familiengeschichte ans Tageslicht gebracht. Leider waren die Hauptcharaktere nicht speziell genug, um sie immer eindeutig voneinander unterscheiden zu können. Dennoch war das Buch gut geschrieben und ist insbesondere für Blumenliebhaber ein Lesehighlight!


Jana Seidel: Der Liliengarten
Verlag: MIRA Taschenbuch
Taschenbuch, 304 Seiten
ISBN:  978-3745750591

mehr dazu auf der Seite des Verlags

Ich habe dieses Buch als kostenloses Rezensionsexemplar erhalten – vielen Dank an den MIRA Taschenbuch Verlag und Lovelybooks! 
Dennoch bleibt meine Meinung unverfälscht.

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